Wortsalat
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Wind im Haar

Minutenlang verharrte sie grübelnd vor der Plastikplane, unentschlossen, ob sie die sich undeutlich abzeichnende Form darunter enthüllen sollte. Der Benz in ihrem Rücken gab ihr Halt, ein grundsolides Stück Wertarbeit, so grundsolide wie die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens. Und genauso langweilig.

"Garagen sollten riechen, nach Öl und Benzin, nach Gummi und den Abgasen von gestern", dachte sie. Ihre Garage roch nicht. Ihre war belüftet, klimatisiert, High-Tech. Steril. Tot. "Wie ich."

Jeden Tag dealte sie Millionenbeträge. Dreistellige Millionenbeträge. Jeden gottverdammten Scheiß-Tag. Sie hatte alles erreicht, war Top-Analystin, besaß eine Villa, fünf Mietshäuser, Männer, einen Jaguar. Und einen Benz.

Sie drehte sich um und verpasste dem Benz einen Tritt in die Fahrertür. Die Wertarbeit gab der Aufforderung der schweren Lederstiefel nach. "Dreckskarre. Büße für meine Sünden."

Es wurde Zeit. Ein Ruck. Die Plastikplane lag am Boden. Ihr Fat Boy glotzte sie an.

Sie erinnerte sich genau an die letzte Fahrt. An den Aufruhr, den ihr Club immer verursacht hatte. Weiber und Mopeds: Das ging nicht zusammen. Am Ende hatte sie es selbst geglaubt. Wollte sich die Karriere nicht versauen. Karriere...

Die Devil's Chicks waren Vergangenheit. Sie wusste nicht, warum sie die Maschine nicht abgestoßen hatte wie ein wertloses Depot. Sie hatte sie mitgeschleppt, über drei Umzüge, mitgeschleppt in ihre bekackte, klimatisierte High-Tech-Garage. Und nun standen sie da und glotzten: Sie und Fat Boy.

"No stop sign, speed limit, nobody´s gonna slow me down." Sie schraubte den Tankdeckel ab. Voll. Die Garage roch nach Benzin. Der Kickstarter wartete. Der Benz war vergessen. Sie schwang sich auf den Sitz und bugsierte die Mühle rückwärts aus der Garage. Der Kickstarter...

Fat Boy erwachte und massierte ihren Arsch. Sie lachte. Das erste Mal seit...seit... "Fuck it." Der Helm blieb in der Garage zurück.

Sie wendete, fuhr die Auffahrt herunter, herunter, rauf auf die Straße. "On the road again." Die Passanten verrenkten sich die Hälse. Wie früher. Alles war wie früher. Da war sie, und da waren die anderen. Und die Straße, die nirgends anfängt und nirgends aufhört.

Der Wind fing sich in ihrem Haar, löste die Starre der Jahre. Sie lachte noch immer, als sie zur Brücke kam.

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