Wortsalat
filler
filler
Vorwärts

Steine. Kleine Steine. Scharfkantige, kleine Steine. Ich trage keine Schuhe. Ich gehe über die Steine, ganz langsam und vorsichtig zuerst. Die Zehen sind meine Spähtrupps, erkunden das feindliche Territorium. Sobald die Zehen sich auf hinlänglich sicherem Grund festgesaugt haben, lasse ich die Fußsohlen folgen.

Soweit ganz erträglich. Jetzt etwas schneller, weniger tastend. Schon schwieriger.

Es schmerzt ein wenig. Nicht jeder Stein, nur einige. Egal. Weiter. Schneller. Ab hier keine Aufklärung mehr. Blind vorwärts in feindliches Gelände.

Es tut weh. Weiter. Schneller. Ich muss mich bewegen, von der Stelle kommen, weiterkommen, vorwärtskommen.

Es existiert nichts außer den Steinen und meinem Schmerz. Ich kann nicht anhalten. Meine Beine und mein Wille kennen sich nicht. Beide führen ihr eigenes Leben. Weiter. Schneller.

Zwischen den Steinen liegen Glasscherben. Kleine, gezackte, bösartig funkelnde Glasscherben. Meine Füße bluten. Mehr Scherben. Die Steine werden zur seltenen Wohltat.

Meine Fußsohlen lösen sich auf. Knochen trifft auf Glas. Ein eigenartiges Geräusch, schabend, reibend.

Ich fühle keinen Schmerz mehr. Mein Gehirn weigert sich, den Schmerz zu erkennen, damit ich weiter vorwärts kommen kann.

Meine Beine laufen immer schneller, die Füße hinterlassen eine rote Spur. Ich sehe die Spur nicht, weil ich nicht zurückschauen kann. Ich muss nach vorne sehen, vorausblicken.

Ich habe Angst, meine Füße zu betrachten. Welche Füße? Stümpfe. Ich blicke voraus.

Die Glasscherben werden feiner, werden zu Splittern. Sie dringen in meinen Blutkreislauf ein. Winzige Splitter, Stäubchen fast. Mein Herz rast.

Die Stäubchen wandern die Beine hinauf. Wenn die Stäubchen mein Herz erreichen, komme ich nicht mehr vorwärts.

Ich spüre, wie die Stäubchen wandern. Meine Beine sind angefüllt mit Stäubchen. Sie wandern weiter, füllen den Unterleib auf. Sie reiben aneinander, knirschen. Das Knirschen wird lauter, während die Stäubchen höher wandern, immer lauter. Ich laufe langsamer. Je lauter das Knirschen, desto langsamer laufe ich.

Die Stäubchen haben mein Herz fast erreicht. Ich stehe still, endlich. Der Kampf ist vorüber, ich habe resigniert, kann nicht mehr vorankommen, nicht mehr vorwärtskommen.

Das Knirschen füllt mein Universum. Ich stehe, die Stäubchen wandern. Jetzt haben sie mein Herz erreicht. Jetzt.

filler
filler
filler
filler
Valid XHTML 1.0 Transitional
Datenschutz