Wortsalat
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Unruh

Zur Rechten tickt die Zeitschaltuhr Sekunde um Sekunde herunter, zur Linken surrt der Computer vor sich hin, der Monitor blinkt mich an: Weiter mit beliebiger Taste...Weiter mit beliebiger Taste...Weiter...

Ich sitze in der Mitte, nicht genau weiter wissend, und nehme das unablässige Verrinnen der Zeit wahr, Zeit, die sich grenzenlos erstreckt, in Meeren von Planlosigkeit ausufert, sich zu Gebirgen auftürmt, Perspektiven nehmend und Horizonte verdeckend, Zeit, die ungenutzt versickert, unwiederbringlich, nicht recyclebar.

Direkt mies drauf bin ich nicht, nur angeödet, weil mein Herumsitzen mir sinnlos scheint, dem einzigen Zwecke dienend, Zeit abzureißen, meine Geldbörse zu füllen. Zeit gegen Geld. Kam mir schon immer wie eine Milchmädchenrechnung vor. Zeit kann man nicht für Geld kaufen. Liebe vielleicht, Sex sicherlich, Zeit nicht.

Phänomenal ist, dass die zähflüssige Zeit letztlich doch viel zu schnell vergeht. Momente sind endlos, Jahre verdammt kurz. Kaum hast du dich an eine neue Jahreszahl gewöhnt, kommt die nächste angerauscht und verlangt ihr Recht. Doch nie ist´s die rechte Zeit.

10 Uhr 58 Minuten und 36, 37, 38, 39 Sekunden. Nicht einmal die Zeit, um die Zeit auf dem Papier festzuhalten, bleibt. Die Zeit ist dir immer voraus, manchmal Sekunden, manchmal Jahrzehnte. Du drehst dich um, blickst auf die zurückgelegten Jahre, und hinter deinem Rücken, heimtückisch, eilt die Zeit voran, stets ihren Vorsprung vergrößernd. Die Zeit bleibt nicht, sie rast, auch dann, wenn sie stillsteht.

Widersinnig ist, zu behaupten: "Ich habe Zeit." Wo sollte die sein? Im Zeitsparstrumpf? Auf dem Konto der Zeitkasse? Mit Zinsabwurf? Auf fünf Jahre festgelegt? Zeit kannst du nicht haben, die Zeit hat immer dich, nagt an deinem Körper, deinem Geist, spuckt dich aus wie einen abgelutschten Knochen, wenn es nichts mehr zu knabbern gibt.

Widersinnig ist, zu sagen: "Dazu muss ich erst Zeit finden." Zeit wartet nicht auf Zeitsucher, liegt nirgends rum. Zeit ist einfach da, ob du willst oder nicht.

Widersinnig ist, zu meinen: "Ich habe keine Zeit." Denn was man nicht haben kann, kann man nicht nicht haben.

Entschuldige, wenn ich deine Zeit gestohlen habe. Oder hattest du sie verloren? Dann nahm ich sie. Es ist meine Zeit. Höchste Zeit.

Unruh
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