Wortsalat
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Szenen einer Ehe - Im Supermarkt

Herbert schob den Einkaufswagen und zockelte verdrossen hinter Corinna her. Corinna hüpfte fröhlich und, so sein Eindruck, völlig erratisch von Regal zu Regal. Der Einkaufswagen war bereits bedrohlich gefüllt.

"Corinna, brauchen wir wirklich das ganze Zeugs hier?" Seine ausladende Geste umfasste absichtlich den halben Laden. "Das sind Sonderangebote, Schatz", flötete Corinna.

Herbert brummelte etwas Sprachähnliches, doch völlig Unverständliches vor sich hin. "Sonderangebote", dachte er, "ja und, den Kram gibt´s doch immer zu kaufen."

Für Herbert bedeutete Einkaufen Stressfaktor 10. Ein wirres Geschiebe und Gedränge, Gegenverkehr auf der falschen Gangseite, mitten im Weg ordnungswidrig abgestellte Einkaufswägen. Und Corinna nahm all das gar nicht wahr, stieß mit niemandem zusammen, obwohl sie gar nicht schaute, wohin sie lief - nein, tänzelte.

Herbert sammelte seine Gedanken, ein schwieriges Unterfangen in dieser Umgebung. Berufsverkehr zu Stoßzeiten war nichts dagegen.

Er wollte auch noch etwas besorgen. Bloß was? Seine Augen wanderten die Regale entlang, fanden in der Kakophonie aus Monatsbinden, Wattestäbchen und Preistafeln jedoch keinen Ruhepunkt.

Motoröl! Genau, das war´s! Der Ölwechsel stand in 147 Kilometern an - wichtige Details merkte Herbert sich punktgenau.

Motoröl...Motoröl...verdammt, er sah gar nichts mehr in dem Chaos. "Corinna, weißt du, wo die hier Motoröl haben?" "Drei Regale weiter, rechts." "Ich geh mal schnell welches holen." "Ist gut, Schatz."

Herbert parkte seinen Wagen ordentlich ganz weit rechts an einem Regal voller Waschpulverkartons. Erstaunlich: Corinna hatte keinen blassen Schimmer, wo man das Öl im Motor einfüllte, aber wo es im Supermarkt stand, wusste sie auf Anhieb. Erstes, zweites, drittes Regal, rechts ab...genau, da war es.

Herbert musterte die aufgereihten Flaschen und Kanister. Normalerweise kaufte er immer an seiner Tankstelle, immer die gleiche Marke. Da wusste er, was er hatte. Aber dieser blöde Supermarkt hier hatte seine Marke nicht. "Mist!"

"Na gut, soll mir keiner nachsagen, dass ich nicht flexibel bin." Herbert nahm die erste Flasche zur Hand und begann, das Etikett aufmerksam zu studieren.

Er hatte sich bereits zur Hälfte durch das Angebot gearbeitet und sogar einen ersten Favoriten gefunden, den er vorsichtshalber gleich neben sich auf dem Boden abgestellt hatte, als ihn eine Stimme in seiner Konzentration störte.

"Herbert, wo steckst du denn so lange? Ich hab Ewigkeiten nach dir gesucht. Was machst du überhaupt hier?" Corinna stand stirnrunzelnd neben ihm. "Ich hab dir doch gesagt, dass ich Motoröl kaufen muss." "Ja, aber das ist eine Viertelstunde her." "Nun übertreib mal nicht." "Hast du denn eins gefunden?"

Herbert nickte stolz und präsentierte Corinna seine Beute. Corinnas Stirnrunzeln verstärkte sich. Mit geübtem Blick hatte sie als erstes das Preisschild entdeckt.

"Hast du sie noch alle? Hast du den Preis gesehen? Das kostet ja mehr als das gute, kaltgepresste Olivenöl." Kaltgepresstes Olivenöl fiel nicht in Herberts Zuständigkeitsbereich. Preisschilder auch nicht.

"Corinna, Maus, wenn es um den Motor deines Autos geht, darfst du nicht auf den Preis schauen." Herbert erwartete keine Antwort, dieses Argument war zu gut.

Corinna beschäftigte sich eingehender mit Herberts aktuellem Augapfel. SAE 20 W 50 HD...mmh...Heavy Duty...soso...Hyper-Lubricant...was immer das heißen mochte...für Geschwindigkeiten bis 250 km/h...das reichte jetzt.

"Herbert, unsere Karre fährt höchstens 180. Wir brauchen dieses teure Zeug wirklich nicht." Herbert jaulte innerlich auf: Corinna hatte wieder dieses Wort gebraucht. Er beschloss, sich nichts anmerken zu lassen und tapfer zu sein.

"Spatz, ich zahl das Öl von meinem Geld, ok?" Herbert wollte seine Beute nicht aufgeben. "Von deinem Geld, wie? Und am Ende des Monats fehlt es mir doch wieder in der Haushaltskasse. Ach, tu, was du nicht lassen kannst." Corinna drehte sich auf dem Absatz um und stampfte davon.

Herbert lächelte, glücklich. Er hatte es geschafft. Er hatte das Motoröl verteidigt, sein Motoröl. Der Tag hielt viele Versprechungen bereit.

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