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Kühe

Kühe gehören zu den gefährlichsten Lebewesen der Welt, nein, des gesamten Sonnensystems, ach was, unserer Galaxis, nein, Blödsinn, aller Universen! Ach, das wussten Sie noch nicht? Ich kenne jemand, der Ihnen Dinge erzählen könnte... Aber der ist leider im Moment nicht erreichbar, weil er sich aus Angst am Südpol verkrochen hat. Der wollte keine Kühe.

Haben Sie schon einmal, ganz bewusst, Kühe auf der Weide beobachtet? Es ist der scheinbar friedlichste Anblick der Welt. Die heimtückischen Biester tun so, als täten sie nichts, glotzen mit ihren Suppentelleraugen wässrig in die Landschaft, wedeln mit dem Schwanz oder liegen einfach nur rum. Doch allein der Schwanz ist eine Bedrohung. Mit dem mächtigen, keulenförmigen, an eine Peitsche erinnernden Auswuchs schlagen die Kühe erbarmungslos nach den armen, unschuldigen, sie umsurrenden Fliegen. Und nicht nur das: Unter ihren enormen, fladenförmigen Stoffwechselendprodukten begraben Kühe Tausende niederer Lebensformen, geben sie dem Erstickungstod preis.

Überhaupt, der Stoffwechsel der Kühe, insbesondere deren Verdauung: Unablässig rupfen Kühe, ohne Rücksicht darauf, ob sich harmlose Schlüsselblumen, putzige Margeriten oder netter Löwenzahn unter ihrer Beute finden, lebendige Grashalme aus der Erde, zermalmen sie zwischen ihren mächtigen Kiefern, befördern sie in einen ihrer Mägen, zermahlen und malträtieren sie zwischen eigens zu diesem Zweck vorsätzlich verschluckten Felsbrocken, würgen ihre Opfer wieder hoch und malmen und mahlen und kauen erneut, nur um den ganzen Kreislauf wieder und wieder und wieder von vorne zu beginnen. Das nennen Sie harmlos?

Die von der Kuh erzeugten Gase sind dazu geeignet, mächtige Explosionen zu verursachen, ganze Dörfer auszuradieren. Dies geschieht nagezu täglich, wird aber zur Vermeidung einer Massenpanik immer wieder mit Zugunglücken, geborstenen Gasleitungen, abgestürzten Düsenjägern und ähnlich leicht durchschaubarem Unfug erklärt.

Sie glauben wohl auch noch, Rinderwahnsinn wäre Schicksal oder Zufall? Falsch: Rinderwahnsinn ist der heimtückische Versuch der Kühe, die Menschheit auszurotten. Rücksichtslos, das eigene Leben nicht achtend, kennen todesmutige Kamikuhzes nur diesen einen Daseinszweck, die Fleischtheken der Schlachter mit ihren verseuchten Überresten zu kontaminieren. Diese terroristischen Zirkel, die sich der modernsten Telekuhmuhnikationstechnologien bedienen, sind den Geheimdiensten seit langem als Al Kuhida bekannt.

Die Inder wissen schon seit langem, dass mit Kühen nicht zu spaßen ist. Ihre "Heiligen Kühe" sind kein Gegenstand religiöser Verehrung, sondern, wie neuere wissenschaftliche Untersuchungen schlagend bewiesen haben, reiner Selbstschutz. Indem die Kuh tabuisiert wird, entgehen die Inder der Rache dieser Monster.

Die Kuhglocken werden von den Sennern übrigens nicht verwendet, um die Herden zusammenzuhalten, sondern um Passanten vor herannahenden Kuhhorden zu warnen. Wer diese Warnung missachtet, begibt sich in tödliche Gefahr! Verbringen Sie ihren nächsten Urlaub daher besser daheim oder besuchen Sie meinen Freund am Südpol. Der kann Ihnen, wie gesagt, noch ganz andere Dinge erzählen, etwa die Geschichte, wie er nur knapp mit dem Leben davonkam, als ihn eine besonders aggressive, rot-bunte Schleswig-Holsteinische Kampfkuh von Aurich bis Bremerhaven hetzte. Er entkam nur durch einen beherzten Sprung ins Hafenbecken, aus dem er von mitleidigen Fischern gerettet wurde. Allerdings gibt es da jetzt das Problem mit den Pinguinen...

(Publiziert im Programmheft zur Aufführung von Ralph Benatzkys Im Weißen Rössl, Staatsoper Hannover, Spielzeit 2007/2008)

Kühe
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